Tipps für Diabetiker auf Reisen
Kommentare 0

So reisen Sie mit Ihrer Diabetes

Auch als Patient mit Diabetes mellitus braucht Sie der Gedanke an eine Reise nicht zu beunruhigen. Mit dem richtigen Know-how reisen Sie bestens vorbereitet, risikoarm und können Ihren wohlverdienten Urlaub in vollen Zügen genießen.

Planen Sie Ihre Reise

Als Diabetiker wissen Sie, dass Sie Ihren Alltag und größere Vorhaben gründlich planen müssen. Das gilt auch für eine Reise. Entscheiden Sie sich möglichst für ein Land mit ähnlichen klimatischen Bedingungen, wie Sie gerade in Deutschland vorliegen, wenn Sie unsicher sind. Hohe und tiefe Temperaturen beeinflussen den Blutzucker, die Wirkung des Insulins und auch die Ergebnisse ihres Blutzuckermessgerätes. Das bedeutet nicht, dass eine Reise mit Klimawechsel nicht möglich ist. Sie benötigen dann nur eine wenig Planung.

Von Vorteil ist, wenn Sie die Landessprache sprechen oder zumindest die gängige Fremdsprache, wie Sie in größeren Krankenhäusern und Apotheken weltweit sehr wahrscheinlich verstanden wird. Trotzdem besteht die Möglichkeit von Verständigungsproblemen, auch wenn man sicherlich bemüht sein wird, Ihnen zu helfen. Immer hilfreich ist es, für die Kommunikation wichtige Begriffe auswendig zu lernen, um die Verständigung zu erleichtern.

Das brauchen Diabetiker unbedingt für Ihre Reise

Wenn Sie eine Insulinpumpe und ein Messsystem ohne Nadel verwenden, achten Sie darauf, dass Sie genügend Ersatzmaterial, Schläuche in ausreichender Menge und Setzhilfen im Gepäck haben. Ersatzmaterial für den Diabetikerbedarf ist im Ausland möglicherweise schwierig zu bekommen. Auch wenn Sie Deutschland nicht verlassen, müssen Sie damit rechnen, dass ein Ersatz erst nach Rücksprache mit Ihrem Arzt und der Krankenkasse versendet werden kann.

Ihre Checkliste für die Reise als Diabetiker:

  • Insulin für die Reise plus eine Woche,
  • Pen plus Ersatzpen, bzw. Einwegspritzen,
  • Nadeln,
  • Mindestens zwei Stechhilfen,
  • Originalverpackte Ersatzlanzetten,
  • Mindestens zwei Messgeräte mit Batterien.

Sie können Ersatzrezepte für Insulin mitnehmen. Ob diese aber im Ausland eingelöst werden, sollten Sie mit Ihrer Krankenkasse vorab klären. Es kann vorkommen, dass Ihr Insulin oder Ihre Messstreifen nicht in anderen Ländern verfügbar sind. Bei der Abrechnung kann es vorkommen, dass Sie in Vorkasse gehen müssen. Nehmen Sie also möglichst alles mit, was Sie brauchen könnten.

Mit Insulin ins Flugzeug

Natürlich brauchen Sie wegen Ihres Diabetes keine Rücksicht zu nehmen auf die Art und Weise wie Sie reisen. Flug-, Schiff-, und Bahnreisen sind mit Diabetes heute keine Herausforderung mehr. Als insulinpflichtiger Diabetiker achten Sie bitte auf Folgendes:

  • Insulin erreichbar ins Handgepäck legen (die Temperaturen im Frachtraum, sind für das Insulin außerdem zu gering),
  • Berechneten Vorrat plus eine Woche Reserve mitnehmen,
  • Attest des Arztes auf Deutsch und Englisch für den Zoll,
  • internationaler Diabetikerausweis,
  • Kühlakkus nicht vergessen,
  • Lanzetten und Nadeln müssen originalverpackt sein.

Insulin in Ampullen muss nicht in Plastikbeuteln transportiert werden, wie das sonst bei Flüssigkeiten der Fall ist. Belassen Sie Ihre Ersatzampullen in der Originalverpackung und zeigen Sie diese bei der Sicherheitskontrolle vor. Das gilt auch, wenn Sie eine Insulinpumpe tragen.

Erstellen Sie zusammen mit Ihrem Diabetologen oder dem Diabetesberater vor der Reise einen Zeitplan für die Umstellung, wenn Sie Zeitzonen verlassen, auch, wenn Sie eine Pumpe tragen. Passen Sie die Uhrzeiten in Messgerät und Pumpe aber erst an, wenn Sie am Ziel sind. Nutzen Sie die Erinnerungsfunktion Ihres Messgerätes, damit Sie die ungewohnten Zeiten zum Messen nicht vergessen.

Lebensmittel gegen Unterzuckerung

Nehmen Sie leicht zu berechnende Zwischenmahlzeiten mit und achten Sie darauf, schnelle und langsam wirkende KHE (Kohlenhydrateinheiten) mitzuführen. Brot wirkt langsamer, hebt den Blutzucker aber auch langfristiger an, Traubenzucker eignet sich für die schnelle Hilfe. Nehmen Sie keine jedoch keine Lebensmittel mit, für die ein Einfuhrverbot besteht.

Verlassen Sie sich nicht darauf, dass es an Bord genügend Lebensmittel gibt. Sollte der Flug in Turbulenzen geraten, können die Flugbegleiter Sie nicht mit Nahrung versorgen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Auch deshalb gehören Traubenzucker oder ein zuckerhaltiges Gel gut erreichbar ins Handgepäck.

Wichtige Utensilien sicher aufbewahren

Vor allem bei längeren Reisen kann die Kühlung des Insulins eine Herausforderung sein. In einem Flugzeug können Sie das Insulin dem Personal geben, mit der Bitte, es zu kühlen. Weisen Sie darauf hin, dass das Insulin nicht unter 2°C gelagert werden darf, und vergessen Sie es nicht beim Aussteigen. Alternativ und für alle anderen Reisegelegenheiten gibt es außerdem Kühlakkus und geeignete Taschen. Gut geeignet sind aber auch Thermoskannen oder ein Behälter aus Styropor. Sollte sich das Insulin auf 40°C oder darüber erhitzen, ist keine Wirksamkeit mehr gegeben.

Angebrochenes Insulin darf nicht länger als vier, maximal sechs Wochen verwendet werden. Einige Hersteller raten, nicht verbrauchtes Insulin zwei Wochen nach Unterbrechung der Kühlkette nicht mehr zu verwenden. Wird die Kühlkette jedoch nicht unterbrochen, sondern die Stechampulle nur zur Verwendung aus dem Kühlschrank genommen, hält die Wirkung drei Monate an.

Unterzuckert – was tun?

Das wird Ihnen zu Hause auch schon passiert sein. Sie haben Ihren Hunger überschätzt oder Sie wurden beim Essen unterbrochen und geraten in einen Unterzucker. Ein solches Risiko ist im Urlaub ungleich höher, wenn Sie Speisen essen oder Getränke zu sich nehmen, deren KHE Sie nicht berechnen können. Meiden Sie gesüßte Tees und Limonaden mit unklarem Zuckergehalt und trinken Sie Wasser, wenn Sie nicht gerade stark unterzuckern.

Vermeiden Sie unnötige Risiken, indem Sie sich vorher schon mit den landesüblichen Speisen vertraut machen. Wenn Sie mit einem leicht zu niedrigen Blutzucker glauben, eine Süßspeise bestellt zu haben und erhalten ein scharfes Gericht mit wenigen KHE, werden Sie u.U. in den folgenden Stunden gegen ihren niedrigen Zucker ankämpfen müssen. Besuchen Sie im Zweifel vor der Reise noch einmal eine Diabetesschulung.

Sollten Sie während der Reise im Auto unterzuckern, stoppen Sie erstmal Ihre Weiterfahrt und nehmen Sie ausreichend Traubenzucker zu sich. Warten Sie mindestens eine halbe Stunde, bis Sie sicher sein können, dass die Wirkung einsetzt. Analysieren Sie den Grund für die Hypoglykämie und achten Sie darauf, genug langsam wirkende Kohlenhydrate zu konsumieren. Messen Sie in kurzen Abständen und fahren Sie nicht nachts, um Ihren Stoffwechsel nicht zusätzlich zu belasten.

Bedenken Sie auch, dass ein ungewohnter Tagesrhythmus und mehr körperliche Aktivität Ihren Blutzucker senken. Sollten Sie im Urlaub schwimmen gehen oder einen neuen Sport erlernen wollen, nehmen Sie eine SportBE (Broteinheiten, z.B. eine Banane) mit, um den Blutzucker bei Bedarf wieder anzuheben.

Genauigkeit bringt Sicherheit

Auf Reisen sollten Sie mit Ihren Blutzuckerwerten besonders genau sein. Tragen Sie alle BE  in Ihr Tagebuch ein, wenn Sie die Daten nicht digital verwalten. Das gilt auch für die Messungen. Verwalten Sie auch Ihren Vorrat an Insulin, Messtreifen und Nadeln entsprechend akribisch und behandeln Sie außerdem Durchfallerkrankungen sofort, um Einfluss auf den Blutzucker zu vermeiden. Sprechen Sie gegebenenfalls vor der Reise in weit entfernte Länder mit Ihrer Krankenkasse, welche zusätzlichen Maßnahmen sie empfiehlt.

Ähnliche Artikel auf dem Gesundheitsblog

Schreibe eine Antwort