Arzneipflanze des Jahres 2017
Kommentare 0

Arzneipflanze des Jahres 2017: Saathafer (Avena sativa)

Wenn Sie an eine „Arzneipflanze“ denken, dann wahrscheinlich nicht an ein Getreide, das Sie als Frühstücksflocken und Pferdefutter kennen. Doch genau dieses Getreide, nämlich der Saathafer, ist seit Jahrtausenden für verschiedene Heilwirkungen bekannt. Für das Jahr 2017 hat ein Arbeitskreis des Instituts für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg den Saathafer zur Arzneipflanze des Jahres gekürt. Kurz und gut liefert der Hafer mehrere unterschiedliche Heilmittel, die wir Ihnen in diesem Artikel näherbringen werden.

Steckbrief des Saathafers

Der Saathafer oder Echter Hafer ist eine Getreideart aus der Familie der Süßgräser. Das Getreide ist meist einjährig und gilt als Sommerfrucht. Der Saathafer hat keine großen Ansprüche an den Boden: Er bevorzugt eine höhere Niederschlagsmenge, gedeiht aber auch auf kargen Böden. Die Hauptanbaugebiete liegen im Mittelgebirge, im Alpenvorland und an Küstengebieten. Da die Körner des Hafers nicht wie bei verwandten Süßgräsern in Ähren gebildet werden, sondern in verzweigten Rispen, ist die Ernte weniger ertragreich und der Erntevorgang komplizierter. Außerdem wird ein separater Mahlgang benötigt, um die für den Menschen unverdaulichen Spelzen von den Körnern zu entfernen. Hafer ist, anders als viele seiner Verwandten, ziemlich resistent gegen viele Getreidekrankheiten. Dennoch hat der Anbau von Hafer lange Zeit an Bedeutung verloren. Erst seit vermehrtes Augenmerk auf Naturkost und Bio-Ernährung gelegt wird, feiert auch der Hafer ein Comeback.

Bei Geschmack und Nährwert ist der Hafer anderen Getreidearten weit überlegen. Als Heilmittel finden Stroh, Kraut und Korn Verwendung.

Gesundheitliche Bedeutung des Saathafers

Haferstroh:

In der Naturheilkunde finden Haferstroh und das grüne Haferkraut Bedeutung. Bei Hautverletzungen oder entzündlichen Hauterkrankungen mit Juckreiz werden Bäder mit Haferstroh empfohlen. Für ein Vollbad benötigen Sie 100 g zerkleinertes Haferstroh, welches mit 3 l Wasser 20 Minuten lang gekocht werden soll. Der Sud wird durch ein Sieb direkt dem Badewasser beigegeben. Diese Vollbäder werden höchstens 2 x die Woche für maximal 15 Minuten empfohlen. Wenn Sie an Herzinsuffizienz oder stark erhöhtem Blutdruck leiden, sollten Sie keine Haferstrohbäder nehmen.

Haferkraut:

Um aus dem Haferkraut Tee zu bereiten, wird es vor seiner Blüte geerntet. Die Indikationen für diesen Tee sind Erschöpfung, Nervosität, Schlaflosigkeit und rheumatische Beschwerden. Auch zur Durchspülungstherapie bei Stein- und Nierenleiden wird Haferkrauttee manchmal eingesetzt. Auch in der Homöopathie wird das Haferkraut als Einschlafhilfe eingesetzt, die sogar schon an Säuglinge verabreicht werden darf.

Das Kraut ist reich an sekundären Pflanzenstoffen (Flavonoide und Saponine), denen entzündungshemmende und immunmodulierende Wirkung nachgesagt wird.

Selbst die Kosmetik- und Pflegemittelindustrie hat Hafer für sich entdeckt, es sind diverse Badezusätze, Cremes, Shampoos etc. mit Hafer erhältlich.

Haferkorn:

Haferkorn wird für den Verzehr entweder grob geschrotet oder zu Haferflocken gewalzt. Der Verzehr des Haferkorns liefert einen hohen Gehalt der Vitamine B1 und B6, sowie jede Menge Ballaststoffe. Besonders hervorzuheben sind hierbei die Beta-Glucane, die ungefähr die Hälfte des Ballaststoffanteils ausmachen. Ihnen wird eine verdauungsfördernde Wirkung nachgesagt, Cholesterin- und Blutzuckerspiegel werden positiv beeinflusst. Dadurch verringert sich auch das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Zudem wirken Ballaststoffe Übergewicht entgegen, da sie ein lang anhaltendes Sättigungsgefühl verursachen.

Außerdem ist das Haferkorn reich an Eiweiß und Kalzium, Mineralstoffen und Spurenelementen.

Die beruhigende und schützende Wirkung auf den Verdauungstrakt ist auf die enthaltenen Schleimstoffe zurückzuführen, welche im Wasser aufquellen und wie ein Schutzfilm wirken. Haferschleimbrei ist auch ein altbekanntes Hausmittel bei verdorbenem Magen und Durchfallerkrankungen.

Die Nährwerte des Saathafers

Der Hauptbestandteil des Hafers ist Stärke. Die Versorgung mit Ballaststoffen ist ähnlich den anderen Getreidearten gut: 9,7 g pro 100 g.

Der Fettanteil ist hingegen mit 7 bis 8 g pro 100 g deutlich höher. Allerdings handelt es sich um sehr günstige Fette, nahezu 80 % ungesättigte Fettsäuren sind enthalten. Die Hauptbestandteile sind Linolsäure und Ölsäure.

Auch der Eiweißgehalt liegt mit 12,6 g pro 100 g etwas über dem anderer Getreidearten.

Der Kalzium- und Eisengehalt von Hafer ist beinahe doppelt so hoch wie bei Roggen oder Weizen, auch der Magnesiumgehalt liegt mit 129 mg über dem seiner „Artgenossen“.

Die im Hafer enthaltene Phytinsäure, welche zu den sekundären Pflanzenstoffen zählt, kann jedoch Mineralstoffe binden, dadurch vermindert sich auch die Aufnahme durch den Körper. Um dem entgegenzuwirken, sollten Haferflocken in Sauermilchprodukte oder Obstsäfte eingeweicht oder angeröstet werden. Allerdings hat die Phytinsäure auch positive Effekte, nämlich verzögert sie die Verdauung der Stärke, und damit den Anstieg des Blutzuckerspiegels nach dem Essen.

Ähnliche Artikel auf dem Gesundheitsblog

Schreibe eine Antwort