Sind die Noroviren auf dem Vormarsch?
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Norovirus 2017 – Sind die Noroviren auf dem Vormarsch?

Deutschlandweit breitet sich der Norovirus in diesem Winter besonders stark aus. So erkrankten im Vergleich zum Vorjahr doppelt so viele Menschen. Die Viren sind wahre Überlebenskünstler: Sie können sich an zahlreichen Gegenständen halten und selbst unter extremen Temperaturbedingungen überleben. Ferner sind sie hoch ansteckend und Ausbrüche nur schwer zu stoppen. Erfahren Sie, wie hoch das Ansteckungsrisiko ist, wo die Viren lauern und wie Sie sich am besten dagegen schützen können.

Wie kommt es zu aktuell sehr starken Verbreitung des Norovirus?

Nachdem die Zahl der Norovirus-Infektionen in diesem Winter rasant angestiegen ist, haben sich die Wissenschaftler des Robert-Koch-Instituts genauer mit den Gründen dieser besorgniserregenden Entwicklung befasst. Wie dem epidemiologischen Bulletin zu entnehmen ist, führen die Experten die außergewöhnlich hohe Infektionszahl auf eine neue Virusvariante zurück. Die als GII.P16-Gll.2 bezeichnete neue Form stellt eine Rekombination dar, welche in Deutschland bisher nicht nachgewiesen worden war. Zu dieser Erkenntnis gelangte das Forschungsinstitut nach Untersuchung von insgesamt 240 Stuhlproben. Es wird vermutet, dass in der Wintersaison 2016/17 bis zu 50 Prozent der Norovirus-Erkrankungen auf den neuen Typ zurückgehen. Rund 13.700 Erkrankungen wurden dem Bericht nach allein in den ersten vier Wochen 2017 registriert. Besonders gefährdet sind hierbei ältere Menschen, Säuglinge, Kinder wie auch Menschen mit geschwächtem Immunsystem (z.B. AIDS).

Was sind die Ursachen und Risikofaktoren einer Norovirus-Infektion?

Hauptursächlich für die hohe Zahl an Erkrankungen und den großen Ausbreitungsradius ist die Fähigkeit des Norovirus, selbst den widrigsten Witterungsbedingungen standhalten zu können. Sie halten sich auf Toilettensitzen, Wasserhähnen, Treppengeländern, Türklinken und Handtüchern auf und können auch in Lebensmitteln – selbst gekühlt oder sauer eingelegt – gut überdauern. Selbst Temperaturen von bis zu +60 Grad können den Erregern nichts anhaben. Dabei reichen 10 Noroviren bereits aus, um einen Brechdurchfall auszulösen. Zumeist wird das Virus durch den direkten Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen, etwa beim Händeschütteln. Aber auch über verunreinigte Gegenstände – wie etwa die oben genannten, häufig berührten Kontaktflächen – Wasser oder Speisen finden die Erreger ihren Weg zum nächsten Opfer. Sie können sogar kurze Distanzen auf dem „Luftweg“ überbrücken, etwa dann, wenn durch das Erbrechen winzige Tröpfchen in die Umgebung gelangen.

Wie lange beträgt die Inkubationszeit und welche Symptome können auftreten?

Die ersten Symptome zeigen Betroffene je nach Allgemeinzustand schon nach sechs bis 50 Stunden. Bereits während dieser Inkubationszeit besteht für andere Personen ein Infektionsrisiko. In der Regel verläuft die Norovirus-Infektion recht schnell und heftig, mit starkem Durchfall und schwallartigem Erbrechen. Zumeist treten diese aus völligem Wohlbefinden heraus. Daneben können Noroviren weitere Symptome auslösen, wie etwa Glieder-, Kopf-, Bauchschmerzen, Übelkeit und Müdigkeit. Zwar kann auch die Temperatur etwas erhöht sein, wobei richtiges Fieber eher selten auftritt. Die Beschwerden halten etwa ein bis drei Tage an, wobei ein allgemeines Krankheitsgefühl sowie Schlappheit etwas länger bestehen können. Die Dauer sowie der Verlauf der Erkrankung sind in besonderem Maße vom Gesundheitszustand des Betroffenen abhängig. Über bleibende Schäden im Zuge einer Norovirus-Infektion ist nichts bekannt. Jedoch führt diese auch nicht zu einer relevanten Immunität, weshalb eine erneute Ansteckung nicht ausgeschlossen werden kann.

Wie kann eine Norovirus-Infektion behandelt werden?

Besteht der Verdacht auf eine Norovirus-Infektion, sollte der Hausarzt aufgesucht werden. Angesichts der hohen Ansteckungsgefahr sollten Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergarten, Schule oder Arbeitsplatz nach dem Ausbruch der Symptome nicht mehr besucht werden. Die Erkrankung ist ferner gemäß dem deutschen Infektionsschutzgesetz (IfSG) meldepflichtig. Für die Infektion existiert keine spezifische medikamentöse Therapie, diese ist allerdings auch nicht erforderlich. Essentiell ist es insbesondere, den hohen Flüssigkeits- und Elektrolytverlust (Kalium, Chlorid, Natrium etc.) wieder auszugleichen. Außerdem werden nicht selten Mittel zur Behandlung der Symptome verschrieben. Schwangere brauchen sich nicht Sorgen, da dem ungeborenen Säugling durch das Norovirus nichts geschehen wird. Auch hier ist jedoch eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen, Elektrolyten und Flüssigkeit wichtig.

Welche Präventionsmaßnahmen helfen dabei, einer Ansteckung vorzubeugen?

Anders als etwa bei Rotaviren, ist gegen das Norovirus kein Impfstoff verfügbar. Der einzige wirkungsvolle Schutz gegen eine Infektion ist das strikte Einhalten von Hygienemaßnahmen. In diesem Zusammenhang ist vor allem auf ein sorgfältigen Waschen und Desinfizieren der Hände zu achten. Durch Stuhl oder Erbrochenes kontaminierte Flächen und Gegenstände sollten gründlich unter Zuhilfenahme von Haushaltsgummihandschuhen gereinigt werden. Einer Verbreitung durch kontaminierte Putzlappen wird dadurch vorgebeugt, indem Einmaltücher zum Einsatz kommen, welche anschließend in der Mülltonne entsorgt werden. Geeignete Hygieneartikel finden Sie in Apotheken oder Supermärkten im Bereich Sanitätsbedarf.  Handtücher sowie Bettwäsche sind bei Temperaturen von mindestens 60 °C mit einem Vollwaschmittel zu reinigen. Aufrechterhalten werden sollten die Hygienemaßnahmen mindestens noch eine Woche nach Abklingen der Symptome. Denn Untersuchungen haben ergeben, dass das Norovirus noch etwa sieben Tage über den Stuhl ausgeschieden wird. Erst danach sollten Kinder wieder den Kindergarten und Erwachsene erneut ihren Arbeitsplatz aufsuchen. Erkrankte sollten grundsätzlich davon absehen, für andere Speisen zuzubereiten. Ferner gilt es, den Kontakt zu infizierten Personen zu meiden.

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