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Kann man negative Gefühle beeinflussen?

„Das schaffe ich nie“, „warum kann er/sie sich das leisten, und ich nicht“, „keiner schätzt meine Arbeit“, „nie bleibt Zeit für mich“… Die Liste negativer Empfindungen ist endlos. In konkreten Gefahrensituationen sind negative Gefühle wichtig zum Überleben, denn zum Beispiel löst Furcht einen Fluchtimpuls aus, und Wut lässt uns kämpfen. Schon alleine aus diesem Grund haben Gefühle wie Angst und Panik ihre Daseinsberechtigung.

Leider neigen wir jedoch dazu, den negativen Gefühlen auch außerhalb von konkreten Gefahrensituationen jede Menge Spielraum zu geben. Langfristig gesehen hat ein Übermaß an negativen Gefühlen einen denkbar schlechten Einfluss auf unsere physische und psychische Gesundheit. In der Theorie wissen das auch die meisten Menschen, aber können Sie sich in der Praxis tatsächlich vom aggressiven Schwarzseher in ein heiteres, gelassenes Wesen verwandeln? Vorab: Ihre (negative) Grundeinstellung wird immer ein Thema bleiben. Aber: Emotionale Schaltkreise im Gehirn können auch bei Erwachsenen noch geformt werden. Das Zauberwort hierfür lautet emotionale Plastizität. Nervenzellen wachsen nach, es werden neue Verbindungen gebildet und bestehende gestärkt. Das bedeutet, dass man Hirnareale, die für positive Empfindungen zuständig sind, stärken kann.

Neubewertung negativer Situationen

Das soll jetzt nicht heißen, dass man negative Empfindungen bagatellisieren oder verschweigen soll. Weder wird man dadurch auf Dauer zufriedener, noch senkt sich der wahrscheinlich bereits erhöhte Blutdruck. Wenn man die negative Empfindung zulässt, und praktisch als „Bereicherung“ annimmt, kann diese sogar hilfreich sein. Ein Beispiel: Wer Angst hat, vor der versammelten Kollegenschaft zu sprechen und sein Projekt zu präsentieren, sollte sich vor Augen führen, dass jene Angst auch die Leistung steigert.

Wenn man in Konfliktsituationen dazu neigt, emotional zu reagieren, kann man trainieren, zuerst tief durchzuatmen und seine Muskeln zu entspannen, bevor man etwas Unüberlegtes sagt, was man später bereut. Wichtig ist, dass man sich seiner eigenen Gefühle bewusst ist, denn oft steckt hinter Wut auch Angst oder Sorge.

Durch gezieltes mentales Training kann die Aufmerksamkeit erhöht, und die Selbstwahrnehmung trainiert werden. Man lernt, sein Gedankenkarussell zu durchbrechen, bevor die negativen Gefühle schädlich werden. Auch Ungeduld kann mit Meditation gut gezähmt werden.

Den Tunnelblick durchbrechen

Wir nehmen wahr, was zu unseren Annahmen passt, alles andere wird ausgeblendet: So funktioniert unsere Realität. Tatsächlich ist diese Realität aber komplett subjektiv. Wenn Sie der Ansicht sind, dass die Zeiten immer schlechter für uns werden, fokussieren Sie sich auf Nachrichten, die Sie in Ihrer Meinung bestärken. Sie werden sich auch Gesprächspartner suchen, die Ihre Meinung teilen, und nicht solche, die Sie vom Gegenteil überzeugen wollen. Unser Gehirn kann nicht wissen, ob unsere Gefühle der Realität entsprechen oder in uns entstanden sind. Und so bestätigt es uns kritiklos in unserer Meinung.

Tatsächlich ein Mangel?

Neid und Unzufriedenheit sind bekannte negative Gefühle, ausgelöst durch ein Gefühl, dass wir glauben, wir haben zu wenig von etwas, was wir glauben, zu brauchen. Nur, ist das tatsächlich so? Was erzeugt in Ihnen dieses Mangelgefühl? Die Werbung, die uns suggeriert, dass wir nach 8 Monaten ein neues Modell unseres Smartphones brauchen? Der Nachbar, der ein größeres Auto fährt, obwohl Sie den besseren Job haben? Der Liebeskummer, der einen bei Ikea nur glückliche Paare wahrnehmen lässt? Die Unmengen an Lokalen, die für Sie gerade tabu sind, weil Sie sich eine Diät verordnet haben? Überlegen Sie genau, ob der erlebte Mangel für Sie ein tatsächlicher ist. Wenn nicht, sollten Sie Ihr Denken auf die bereits erfüllten Bedürfnisse ausrichten. Kündigen Sie die Newsletter und Werbesendungen, die Sie nicht unbedingt benötigen, damit Sie nicht andauernd daran erinnert werden, von allem, was Sie bereits besitzen, noch mehr zu „brauchen“.

Seien Sie gut zu sich!

In Stresssituationen wird unser Aktionsradius immer kleiner, wir führen hauptsächlich Routinehandlungen durch. Geht es uns gut, können wir die Kreativität unseres Gehirns auch richtig nutzen, wir sind aufmerksam und produktiv.

Machen Sie Frühjahrsputz in Ihrer Bekannten-/Freundesliste. Gibt es notorische Nörgler, denen man nie etwas recht machen kann, Pessimisten, die Sie ständig versuchen herunterzuziehen, Zeiträuber, die nur nehmen, aber nie geben? Vielleicht wird es einmal Zeit für ein paar neue Bekanntschaften…

Sie haben die Macht zu bestimmen, worüber und wie lange Sie sich Gedanken machen wollen!

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