Elektronisches Rezept
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Mit dem elektronischen Rezept zu mehr Arzneisicherheit und Flexibilität

Eine der wichtigsten Entwicklungen in der Apothekenbranche könnte in den nächsten Jahren das elektronische Rezept werden. Nach einigen Jahren der Konzeption ist inzwischen ein Punkt erreicht, an dem vor allem politische Gründe eine Einführung des eRezepts noch verhindern – aber nicht mehr lange.

Was ist das elektronische Rezept?

Schon seit mehreren Jahren wird in Deutschland versucht, ein Konzept für das elektronische Rezept zu entwickeln. Anders als beim heute üblichen handgeschriebenen oder gedruckten Rezept, werden die Daten beim elektronischen Rezept über das Internet übermittelt und mittels EDV gespeichert.

Als Patient erhält man das Rezept also direkt auf den eigenen Computer oder das Smartphone und kann es auf diesem Wege ohne Umwege an die Apotheke und/oder Krankenkasse weiterleiten. Auch eine direkte Bestellung schon beim Verschreibungsprozess wäre möglich.

Eigentlich sollte das elektronische Rezept bereits als Bestandteil der elektronischen Gesundheitskarte eingeführt werden. Dieses Projekt wurde jedoch vorerst auf Eis gelegt, da es noch Bedenken seitens der Politik gab. In langsamen Schritten wurden hier jedoch Fortschritte gemacht und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis das eRezept eingeführt wird.

Was sind die Vorteile des elektronischen Rezepts?

Für Patienten hätte das elektronische Rezept in erster Linie den Vorteil einer höheren Arzneimittelsicherheit. Die Zeiten, in denen falsch interpretierte oder unleserliche Rezepte zu einer fehlerhaften Medikation führten, wären mit der Einführung des elektronischen Rezepts vorbei. Die Prüfung auf Wechselwirkungen und andere Unplausibilitäten wäre ebenfalls wesentlich einfacher und komfortabler. Auch besondere gesundheitliche Merkmale, wie z.B. Allergien könnten einfacher berücksichtigt werden. Somit würde es neben den Patienten auch Apotheken – stationär wie online – zu Gute kommen.

Für die Apotheken besteht darüber hinaus der Vorteil einer höheren Betrugsprävention. Während papierbasierte Rezepte mit überschaubaren Mitteln gefälscht werden können, ist ein Betrug mit dem elektronischen Rezept zwar nicht unmöglich, aber dank Datenverschlüsselung und digitaler Zertifikate deutlich schwieriger.

Ärzte profitieren von einer schnelleren Bearbeitung von Rezeptbestellungen. Zeit und Material für den Ausdruck des Papierrezepts sowie die Unterschrift entfallen ebenso wie der postalische Versand. Die Abrechnung mit den Krankenkassen wird durch die elektronische Einreichung der Belege ebenfalls vereinfacht.

Nachteile und Gründe für die Verzögerung der Einführung des eRezepts

Kein Internet-Thema kommt in Deutschland ohne Datenschutzdiskussion aus – und in diesem Fall ist dies sehr gut nachvollziehbar. Wo elektronische Daten vorliegen, besteht die Gefahr eines Missbrauchs, der bei einem so sensiblen Thema wie der Gesundheit ein großes Problem wäre. Wie oben geschildert besteht aber auch heute schon ein (meiner Meinung nach größeres) Missbrauchsrisiko bei Rezepten.

Digitale Verschlüsselungsmethoden haben sicherlich immer auch Schwächen, doch eine einhundertprozentige Sicherheit gibt es nun einmal nicht. In der Summe würde sich durch das eRezept ein Plus an Sicherheit für alle Beteiligten ergeben. Wie in anderen sensiblen Bereichen (z.B. Online-Banking) ist ein hohes Maß an Vorsicht geboten, was auch allen Beteiligten bewusst ist. Einen Grund für eine generelle Ablehnung des elektronischen Rezepts sehe ich hier jedoch nicht.

Neben dem Thema Datenschutz spielt auch die Frage nach der Datenhoheit eine große Rolle: Wem gehören die Gesundheitsdaten? Natürlich den jeweiligen Patienten, die sehr daran interessiert sind, dass diese Daten nicht in falsche Hände geraten. Um die medizinische Versorgung zu gewährleisten, benötigen Ärzte, Apotheken und Krankenkassen Zugriff auf einen Teil dieser Daten. Dabei beanspruchen derzeit alle Seiten und auch die Gesundheitspolitik die Hoheit über diese Daten für sich. Auch das trägt dazu bei, dass noch keine Einigung über ein gemeinsames Konzept für das eRezept besteht.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Im Mittelpunkt sollte jedoch eigentlich das Patientenwohl stehen und hier sehe ich das elektronische Rezept als in der Summe deutliche vorteilhaft im Vergleich zum Papierrezept an. Über kurz oder lang wird sich auch in der Politik diese Erkenntnis durchsetzen, davon bin ich überzeugt. Ich rechne daher mit einer Einführung des eRezepts innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre.

Für Apotheken und Arztpraxen würde die Umstellung zunächst einen zusätzlichen Investitionsaufwand bedeuten, doch hierbei handelt es sich um eine Investition, von der letztlich alle Seiten profitieren.

Was halten Sie von der Idee des elektronischen Rezepts? Hinterlassen Sie Ihre Meinung gerne als Kommentar!

Eurapon Inhaber Kubilay Talu
Kubilay Talu ist Apotheker und seit 2008 Inhaber der Versandapotheke Eurapon.  Als Mitarbeiter der Euro Apotheke in Bremen hat er bereits seit 2001 die Entwicklung des Unternehmens begleitet und entscheidend mitbestimmt.
Hier im Blog schreibt er in der Kategorie „Chefvisite“ einmal pro Monat über seine Erfahrungen und Ansichten aus dem Apothekenbereich.

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