Lärm macht Krank
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Lärm macht krank

Jeder von uns wird Lärm ein wenig anders definieren. Nehmen wir als Beispiel Heavy Metal: Einem echten Fan kann es nicht hart genug um die Ohren fetzen, während für andere dieses Musikgenre klingt, als würde ein Anhänger voller Milchkannen mit einem Schweinelaster kollidieren. Oder Handygeklingel: Während Sie schon die sprichwörtliche Palme erklimmen, lädt der Nachwuchs frisch und fröhlich den 234. Soundclip vom Internet auf sein Handy, und hat kein Problem damit, alle Sounds noch einmal von vorne durchzuspielen. Ihr Partner wiederum kann die nervigen Töne so gut ausblenden, dass ihm noch gar nicht aufgefallen ist, dass Ihr Kind damit schon zwei Stunden lang beschäftigt ist.

Lärm: Eine Definition

Einigen wir uns darauf: Lärm ist eine Abfolge von lauten, unerwünschten Tönen. Die Geräusche, die unser Ohr verarbeitet, entstehen durch Schwingungen, die sich in der Luft als Schallwellen ausbreiten. Deren Stärke ist messbar, der Schalldruckpegel wird in Dezibel (dB) angegeben. Für die Tonhöhe verantwortlich ist die Anzahl der Schwingungen in der Sekunde. Je stärker  ein Geräusch ausgeprägt ist, desto störender wird es empfunden. Sind wir dauernd von Lärm umgeben, werden wir in unserer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt und können schlimmstenfalls auch erkranken.

Man unterscheidet, ob Lärm kontinuierlich auftritt (durch Verkehr, Maschinen etc.), intermittierend (Sirenengeheul, Weckergeklingel), oder als Impulslärm (Sprengung, Schuss). In jedem Fall ist große Lautstärke schädlich für unser Gehör.

Kostbares Gut: Die Stille

Können Sie sich an Ihren letzten Moment in absoluter Stille erinnern? Wahrscheinlich liegt er schon länger zurück. Vor allem dem Verkehrslärm entkommt man nur schwer: Statistisch gesehen fühlt sich gut die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland durch Straßenlärm gestört. Rund jeder Dritte stört sich am Schienenverkehr und jeden Fünften nervt der Fluglärm. Auch wenn Autos und Flugzeuge leiser geworden sind, so werden es dennoch immer mehr Autos auf den Straßen, und es starten öfter Flugzeuge.

Rund 5 Millionen Deutsche sind am Arbeitsplatz gehörschädigendem Krach ausgesetzt. Hörschäden bei Jugendlichen haben meist lautes Musikhören als Ursache.

120 Dezibel sind die Schmerzgrenze für unser Gehör, dauernde 80 Dezibel machen aber ebenfalls krank.

Lärm kann krank machen, bevor er stört

Lärm erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Grund dafür ist eine Stressreaktion des Körpers, welcher wiederum Stresshormone bildet, die ihrerseits den Blutdruck und Puls in die Höhe treiben. Problematisch ist, dass dieser Vorgang auch stattfindet, wenn der Betroffene den Lärm gar nicht störend wahrnimmt, bzw. schläft.

Bei Kindern zeigt sich Lärmbelastung vor allem in Form von verminderter Leistung. Liegen Schulen in der Nähe von Flugfeldern, so leiden Lernfähigkeit und Gedächtnisfunktion der Schüler darunter. Eine entsprechende europäische Studie beweist dies.

Wir sollten uns bewusst sein, dass wir dem Lärm meist nicht nur ausgeliefert sind, sondern ihn auch mitverursachen. Brauchen wir wirklich für alle Kurzstrecken das Auto, oder kann es auch einmal das Fahrrad sein? Müssen wir wirklich samstagnachmittags den Laubbläser anstellen, um fünf herabgefallene Blätter Richtung Nachbargrundstück zu pusten? Brauchen wir ständige Hintergrundberieselung durch TV, Radio, CD-Player etc.?

Wie können Sie Ihre Ohren schützen?

Tinnitus und Schwerhörigkeit gelten inzwischen als Volkskrankheit, auch unter Jugendlichen. In unserem Innenohr sorgt ein erbsengroßes Organ namens Schnecke mit rund 20.000 Zilien (zylindrische Ausstülpungen) dafür, dass Schallwellen in einen elektrischen Impuls umgewandelt wird. Dieser wird über den Hörnerv ans Hirn weitergeleitet und dort analysiert. Bei Überbelastung können jedoch die Zilien absterben, sie lassen sich auch nicht mehr regenerieren.

Damit es nicht so weit kommen muss, beachten Sie bitte Folgendes:

  • Gönnen Sie Ihren Ohren lärmarme Erholungspausen.
  • Hören Sie niemals in voller Lautstärke mit Kopfhörern Musik.
  • Platzieren Sie sich bei Konzerten nicht direkt vor den Boxen, sondern in Raummitte (dort ist ohnehin die beste Akustik) und verwenden Sie, wenn notwendig, Ohrstöpsel.
  • Gehörschutz sollte auch bei allen lärmproduzierenden Tätigkeiten getragen werden, wie z.B. Handwerken.
  • Sollte es nach einer Lärmexposition im Ohr pfeifen, singen oder piepsen und nicht bald aufhören, suchen Sie einen HNO-Arzt auf. Unter Umständen ist eine Behandlung notwendig, damit das störende Geräusch (=Tinnitus) Sie nicht ein Leben lang begleitet.

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