,,Erntefrische Äpfel“ – Frisch geerntet oder monatelang konserviert?
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„Erntefrische Äpfel“ – Frisch geerntet oder monatelang konserviert?

Haupterntezeit der Äpfel ist im Oktober. Doch wie kann es sein, dass im April/Mai schon „erntefrische Äpfel“ aus Deutschland in den Supermarktregalen liegen? Entweder sind die Äpfel nicht, wie deklariert, aus Deutschland, oder aber sie sind nicht so frisch, wie sie aussehen, schmecken und riechen.

Woher kommen die Äpfel wirklich?

Das größte Obstanbaugebiet Deutschlands liegt am Bodensee. Jedes Jahr werden hier tonnenweise Äpfel aus heimischem Anbau geerntet. Nur ein kleiner Teil wird verkauft, der Rest geht einen anderen Weg. Fast 40.000 Tonnen Äpfel bekommen die Kunden jährlich vorerst nicht mehr zu sehen.

Jeder, der schon mal Äpfel in seiner Obstschale hatte, weiß, wie lange sich das Obst hält. Undenkbar, irgendeine Apfelsorte, egal ob gekauft oder selbst geerntet, mehr als einen Monat frisch und knackig halten zu können.
Doch warum können wir trotzdem das ganze Jahr über Äpfel aus regionalem Anbau im Supermarkt kaufen?

Kann man Äpfel einfrieren? Winterschlaf für den Apfel

Nicht nur, während der Apfel am Baum hängt, wird er reif. Auch nach der Ernte reifen die Früchte normalerweise weiter. Daher landet der Großteil der geernteten Äpfel in großen CA-Lagern. CA (englisch: Controlled Atmosphere) bedeutet kontrollierte Atmosphäre. In solchen Lagern herrscht eine niedrige Temperatur (zwischen 1-4°C), die die Stoffwechselprozesse der frisch geernteten Äpfel stark verlangsamt. Ein niedriger Sauerstoff- und hoher Kohlendioxidgehalt erschwert den Äpfeln das „Atmen“ und verlangsamt zusätzlich den Alterungsprozess. Das bedeutet Winterschlaf für den Apfel. Eine konstante Luftfeuchtigkeit bewahrt die Äpfel währenddessen vor dem Austrocknen. Zusätzlich wird in manchen Fällen das von Apfel selbst gebildete „Reifungsgas“ Ethylen aus dem Lagerraum gefiltert. Geeignete Apfelsorten lassen sich mit dieser Methode bis zu zwölf Monate frischhalten.

Gegen Gas hilft nur Gas

Eine andere Methode, der Reifung entgegen zu wirken, ist die Äpfel zu mit Methyl-Cyclopropen zu vergasen. „SmartFresh“ nennt sich die Methode, die dafür sorgt, dass die behandelten Äpfel ihr natürliches Reifegas Ethylen kaum noch produzieren. Die Farbe des Apfels bleibt frisch und das Fruchtfleisch knackig – und das noch lange, nachdem der Apfel im Supermarktregal steht. Experten sind sich noch uneinig, ob dieses Gas Aroma, Vitamine und Pflanzeninhaltsstoffe des Apfels verändert. Da das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) dieses Verfahren als unbedenklich bewertet hat, ist es für Äpfel zugelassen. Es muss nicht einmal, wie sonst bei anderen Konservierungsstoffen, auf der Verpackung deklariert werden.

Nichts ist, wie es scheint

Ob ein schöner, knackiger Apfel nun wirklich erntefrisch ist, mit Methyl-Cyclopropen vergast oder Monate lang gelagert wurde, kann der Kunde beim Kauf nicht unterscheiden. Glücklicherweise sind noch keine Nebenwirkungen oder Nachteile durch die beiden Methoden entdeckt worden. Deshalb können wir uns einfach mal darüber freuen, dass es Möglichkeiten gibt, das ganze Jahr über frische Äpfel kaufen zu können, und das ohne lange Transportwege und hohen CO2-Ausstoß, sondern einfach aus der Region.

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