Cannabis als Medikament aus der Apothke
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Cannabis als Medikament aus der Apotheke

Cannabis legal und auf Kosten der Krankenkasse in der Apotheke erwerben: Was bisher unmöglich schien, ist seit dem 3. März 2017 Realität in Deutschland. Doch wer hat überhaupt Chancen auf ein Cannabis-Rezept, und was sind die Risiken einer Cannabis-Einnahme? Die Antworten auf diese und viele weitere Fragen finden Sie hier …

Wie war die Verordnung von Cannabis bisher geregelt?

Bereits seit dem Jahr 2011 dürfen Ärzte Cannabis verschreiben – die Krankenkassen haben diese besondere Therapieform jedoch nur in seltenen Ausnahmefällen bezahlt. Bisher war eine Ausnahmeerlaubnis des BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) erforderlich, um überhaupt Cannabis in der Apotheke erwerben zu dürfen. Nach der neuen Gesetzeslage bekommen Betroffene den sogenannten Medizinalhanf nach einer Verordnung durch den Arzt ganz unkompliziert in der Apotheke vor Ort. Dazu erhalten sie von ihrem behandelnden Arzt ein sogenanntes BTM-Rezept (BTM = Betäubungsmittel), das strengen Kriterien unterliegt. So werden die BTM-Rezeptformulare personenbezogen für einen bestimmten Patienten ausgestellt, um Missbrauch zu vermeiden. Die Einlösung in der Apotheke muss innerhalb von acht Tagen (inklusive Tag der Ausstellung) erfolgen, ansonsten verfällt das Rezept. Wichtig: Cannabis ist ausschließlich in stationären Apotheken erhältlich. Versandapotheken dürfen BTM-Rezepte grundsätzlich nicht einlösen.

Cannabis auf Rezept – für wen eigentlich?

Cannabis kann bei verschiedensten Erkrankungen zum Einsatz kommen, beispielsweise bei chronischen Schmerzen, Multipler Sklerose sowie bei Aids und Krebs zur Linderung der Symptome. Voraussetzung für die Verordnung von Cannabis ist jedoch, dass andere Therapien keine oder nicht die erwünschte Wirkung zeigen. Anders ausgedrückt: Cannabis muss stets das letzte Mittel der Wahl sein – nicht zuletzt, weil die Nebenwirkungen beträchtlich sein können. Die Hanfpflanze ist ein Rauschmittel, das abhängig macht und unter anderem Schizophrenie zur Folge haben kann. Dementsprechend vorsichtig müssen Mediziner bei der Verordnung vorgehen. Personen, bei denen kein Schmerzmittel mehr anschlägt, können durch die Einnahme von Cannabis jedoch erhebliche Linderung erfahren und ihre Lebensqualität deutlich steigern. Bei Krebspatienten kann Cannabis Übelkeit mindern, den Appetit steigern und auf diese Weise den Allgemeinzustand der Betroffenen nachhaltig verbessern.

Cannabis selbst anbauen – ja oder nein?

Obwohl der Status von Cannabis als medizinisches Produkt durch das neue Gesetz deutlich gestärkt wurde, ist der private Anbau der Hanfpflanze nach wie vor verboten. Stattdessen soll der Cannabis-Anbau staatlich reguliert werden, um sicherzustellen, dass ausschließlich Hanf „in pharmazeutischer Qualität“ an den Verbraucher gelangt. Langfristig wird eine Cannabis-Agentur aufgebaut, die Anbau und Verkauf der Droge regelt – bis es so weit ist, wird der Hanf aus anderen Ländern importiert. Cannabis ist in Form von Cannabisblüten, als Cannabisextrakt oder auch in Form einzelner Cannabinoide erhältlich. Welche Form für den Patienten am besten geeignet ist, sollte im Gespräch mit dem Arzt erörtert werden, denn je nach Art der Einnahme kann sich die Wirkung der Hanfpflanze verändern.

Wie wirkt Cannabis eigentlich?

Cannabis enthält Inhaltsstoffe, deren entzündungshemmende, schmerzlindernde und krampflösende Wirkung inzwischen wissenschaftlich bestätigt wurde. Den Inhaltsstoffen Cannabidiol (CBD) und Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Allerdings konnte der medizinische Nutzen noch nicht für jede Krankheit eindeutig belegt werden. Klar ist jedoch: THC und CBD docken im Gehirn an sogenannten Cannabinoid-Rezeptoren an, die bei zahlreichen Vorgängen im menschlichen Organismus eine wichtige Rolle spielen, unter anderem bei der Schmerzverarbeitung sowie bei diversen Immunprozessen.

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